Vertrauen in der KI-Ära: Wie Out of Home Marken im echten Leben verankert

Autorin: Lisa Quaas

In einer Werbewelt, in der KI, Deepfakes und algorithmische Feeds Misstrauen schüren, gewinnen die Marken, die physische, reale Kontaktpunkte in ihrem Media-Mix stärken und überdies Menschen wieder sehen, fühlen und glauben lassen, was sie versprechen.

City Light Poster zeigt Lebensmittelwerbung in Danzinger Straße in Berlin

Warum Marken wieder realer werden müssen

Es scheint heute leichter, ein täuschend echtes Fake-Visual zu produzieren, als eine glaubwürdige Marke aufzubauen. In Sekundenschnelle generieren KI-Tools Bilder, Texte und Videos für Kampagnen. Während viele diesen Effizienzgewinn feiern, bleibt Skepsis in den Zielgruppen zurück. Digitale Inhalte wirken schnell synthetisch, und die Grenzen zwischen authentischer Kommunikation und gut gemachten Fakes verschwimmen.

Für Marken stellt sich eine unbequeme Frage: Wo können Menschen noch glauben, was sie sehen, wenn KI-Content und algorithmische Feeds eher Zweifel als Vertrauen wecken?

Stehen wir vor einer Vertrauenskrise im digitalen Marketing?

Die Versprechen generativer KI sind klar: mehr Content, schneller produziert, besser personalisiert. Doch auf der Empfangsseite kommt das nicht automatisch persönlich an.

Eine repräsentative Studie von JCDecaux OneWorld zeigt, dass 73 % der Befragten KI-generierte Inhalte in Online-Werbung als „Fake“ empfinden. Zudem geben 65 % an, dass künstliche Intelligenz Werbeinhalte weniger menschlich und weniger kreativ wirken lässt.

KI macht Prozesse im Hintergrund effizienter, aber nicht zwangsläufig in der Wirkung effektiver. Fehlt die Transparenz, leidet die emotionale Markenbindung. Dabei ist nicht der KI-Einsatz an sich das Problem, sondern der unklare Umgang damit: 62 % der Konsument:innen würden einer Marke eher vertrauen, wenn sie den Einsatz von KI offen kennzeichnet. Es geht also weniger darum, ob KI genutzt wird, sondern eher darum, wie verantwortungsvoll Marken damit umgehen und in welchem Umfeld sie ihre Botschaften platzieren.

Vertrauen braucht Raum: Warum Marken das echte Leben suchen

Wenn Inhalte im Feed als potenziell manipuliert wahrgenommen werden, steigt der Wert von Botschaften in der physischen Welt. Das Schlüsselprinzip heißt öffentliche Validierung. Im Gegensatz zum geschlossenen Social Media-Feed ist Out of Home ein kollektives Medium. Was auf einem Screen an der Wartehalle oder in der Einkaufsstraße zu sehen ist, nehmen tausende Menschen gleichzeitig wahr. Dieser öffentliche Rahmen erzeugt Transparenz und zeugt von einem sichtbaren sozialen Commitment der Marke.
In der JCDecaux-Befragung geben 83 % der Teilnehmenden an, Marken als authentischer wahrzunehmen, wenn sie im öffentlichen Raum präsent sind.

In der Werbeforschung ist dieses Phänomen als Costly Signalling bekannt: Verbraucher:innen entwickeln unbewusst mehr Vertrauen zu Marken, die im physischen Raum Flagge zeigen.

Der öffentliche Auftritt signalisiert ein höheres Investment und Marken-Engagement als eine flüchtige Social-Ad. OOH ersetzt dabei nicht den digitalen Kanal, sondern fungiert als physischer und emotionaler Anker im Media-Mix.

Welchen Einfluss haben Aufmerksamkeit und Emotionen auf die Werbewirkung?

Auch bezüglich Aufmerksamkeit und Originalität zeigt die Untersuchung klare Muster:

  • Originell statt repetitiv: 80 % empfinden KI-getriebene Online-Werbung als repetitiv, während OOH-Kampagnen eher als originell und erlebnisbasiert wahrgenommen werden.
  • Hohe Aktivierung: 84 % bewerten OOH-Kampagnen als unverwechselbar und geben an, sich dadurch intensiver mit einer Marke zu beschäftigen.
  • Kaufbereitschaft: 77 % ziehen den Kauf von Marken in Erwägung, die mit OOH werben, weil die Ansprache durch kreative Sonderinstallationen oder lokale Präsenz menschlicher wirkt.

Natürlich konkurriert auch Out of Home mit der Ablenkung durch Smartphones. Doch während Nutzer:innen im Feed aktiv zum schnellen Weiterscrollen erzogen werden, trifft OOH die Zielgruppe in Übergangssituationen auf ihren Wegen durch die Stadt.

  • Stärkere Wahrnehmung: 68 % der Befragten geben an, OOH-Werbung bewusster zu bemerken als Social Media-Ads.
  • Fokus im Alltag: 79 % fühlen sich in realen Umgebungen aufmerksamer. Die Wahrnehmungspsychologie bestätigt, dass unser Gehirn physisch verankerte Reize intensiver verarbeitet.
  • Positiver Kontext: 61 % empfinden OOH-Werbung als Stimmungsaufheller unterwegs, 63 % fühlen sich dadurch stärker mit ihrer Umgebung verbunden.

Fazit: Der Media-Mix braucht eine neue Balance

Die Lösung liegt nicht darin, digitale Kanäle oder KI abzulehnen. Automatisierung und Datenintelligenz bleiben zentrale Treiber moderner Kommunikation. Wichtig ist jedoch der Wechsel von einem reinen Reichweiten-Mix hin zu einem Vertrauens-Mix.

Klassische Kennzahlen wie CPM oder CPC bleiben relevant, müssen aber um Kriterien wie Glaubwürdigkeit des Umfelds, spürbare Authentizität und reale Erlebnisse ergänzt werden. Out of Home bietet Marken eine physisch verankerte, überprüfbare Präsenz in der Öffentlichkeit („You can’t tell lies in public“). KI-Inhalte brauchen ein reales Gegengewicht und OOH bildet dies, indem sie Marken in der gemeinsamen Realität ihrer Zielgruppe verankert.